„Berührbar bleiben“

Christoph Bohlender (MENSCH Kreativagentur) über Healthcare-Kommunikation und gute Juryarbeit beim COMPRIX

COMPRIX: Christoph, du bist neues Mitglied im COMPRIX-Beirat. Was treibt dich an, dich einzubringen?

Christoph Bohlender: Der COMPRIX ist für mich das wichtigste Vehikel für kreative Healthcare-Kommunikation in Deutschland. Er kann eine Bühne sein, die über die Branche hinaus Wirkung entfaltet – mit einer Relevanz, die auch außerhalb spürbar wird. Wir haben hier Themen auf dem Tisch, die wirklich zählen: Leben, Tod, Gesundheit, Würde. Das ist mehr als Kampagne, mehr als Marketing – das ist Verantwortung.

Mich reizt die Vorstellung, dass der COMPRIX für Kreative vielleicht noch mehr zu einem Ort wird, an dem man unbedingt dabei sein möchte – aus Überzeugung und aus Lust auf gute Arbeiten. Wenn der Award diese Anziehungskraft entfaltet, auch was die Punktrelevanz in den großen Rankings angeht, profitieren wir alle: unsere Branche, die Kunden und vor allem die Qualität der Arbeiten selbst.

Hast Du konkrete Vorstellungen, wie die Qualität der Arbeiten – und vielleicht auch deren Bewertung – noch besser werden kann?

Christoph Bohlender: Ich war dieses Jahr erstmals Teil der neuen Design-Jury und habe erlebt, was passiert, wenn man eine kleine, hochkonzentrierte Gruppe von Kreativen zusammenbringt. Da sitzen Menschen, die sich bis ins Detail mit Ideen, Gestaltung und Kampagnen auseinandersetzen. Sie gehen jede Arbeit durch wie unter einem Mikroskop: inhaltlich und handwerklich. Sie finden die Schwachstellen, erkennen, was wirklich exzellent ist – fair, kritisch, wertschätzend. Diese reine kreative Urteilskraft schafft nochmal eine andere Tiefe. Genau diese Tiefe, diese akribische Suche nach Qualität, das würde ich gern noch mehr fördern.

Was bedeutet euer Agentur-Ansatz: „Erst verstehen, dann gestalten” in einer Welt, die immer schneller, hektischer und lauter wird?

Christoph Bohlender: „Erst verstehen“ ist eine Haltung, die schon immer die Basis guter Kommunikation war. Wer die richtigen Fragen stellt, beweist Größe und vor allem Offenheit. Das gilt im Umgang mit Künstlicher Intelligenz genauso wie im menschlichen Miteinander: Das Ergebnis wird nur dann brillant, wenn du tief genug fragst. Wenn du nicht tief genug gräbst, bekommst du keine Antwort auf Fragen, die Menschen wirklich bewegen. Was das für unsere Arbeiten bedeutet? Wir suchen den Kern dessen, was Patienten oder Ärztinnen und Ärzte wirklich umtreibt. In einer Zeit, in der alle überladen sind und sich nach Ruhe sehnen, filtern wir aus dieser Reizüberflutung genau die eine Botschaft heraus, die berührt.       

Was sollte man über dich als neues ‚Gesicht‘ des COMPRIX unbedingt wissen, das nicht im offiziellen Profil steht?

Christoph Bohlender: (lacht) Ich bin eigentlich ein bescheidener Mensch. Und ich glaube einfach nicht, dass man „wichtig“ sein muss, um etwas zu bewegen. Ich mache Musik, habe Familie, lebe mein Leben – ich bin nicht wichtiger als die Arbeit, die wir machen. Aber wenn ich mir etwas wünschen darf, dann, dass wir alle „berührbar“ bleiben. In der Healthcare-Kommunikation beschäftigen wir uns oft mit sehr schweren Themen. Beim Bundesverband Kinderhospiz etwa – das geht mir persönlich sehr nahe, man möchte manchmal am liebsten wegschauen.

Genau das nicht zu tun, gehört für mich zu unserer professionellen und menschlichen Verantwortung. Authentizität entsteht dort, wo wir bereit sind, uns auf die Geschichten der Menschen einzulassen – mit all ihrem Schmerz, ihrer Hoffnung und ihrer Würde. Wer mit offenem Herzen durch die Welt läuft, findet Antworten, die Menschen wirklich erreichen.

Wenn du eine Nacht lang an der Bar sitzen könntest – mit wem würdest du über Ideen philosophieren?

Christoph Bohlender: Ich brauche keine großen Legenden. Ich rede wahnsinnig gern mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Es ist beflügelnd, sich mit Menschen auszutauschen, die für ihre Arbeit brennen und die sich von guten Kampagnen inspirieren lassen – sei es in Cannes oder bei anderen Awards.

Es sind die Menschen, die diese Neugier behalten haben: die Fähigkeit, sich begeistern zu lassen, sich selbst in Frage zu stellen, offen zu bleiben. Dieser Austausch öffnet Horizonte. Und am Ende ist es genau diese Form von Gespräch, die uns menschlich und berührbar hält – und die Grundlage für Kommunikation schafft, die mehr ist als „Werbung“.

Unsere Arbeitswelt ist immer auch ein Spiegel unseres eigenen Seins. Was uns begegnet, resoniert mit dem, was in uns ist. Wenn wir bereit sind, diese Resonanz zuzulassen, entstehen Momente, die wir nicht planen können: Begegnungen, Ideen, Kampagnen, die wirklich etwas verändern. Und genau dafür ist der COMPRIX – im besten Sinne – eine Bühne: für Arbeiten, die zeigen, dass Healthcare-Kommunikation um alles geht, was uns als Menschen ausmacht.

Die Location

ausstellung

Die Halle Tor 2 bringt den Charakter einer ehemaligen Industriehalle mit: klare Architektur, sichtbare Materialien, urbanes Flair. Für den COMPRIX 2026 wurde sie mit Licht, Projektionen und flexibel bespielbaren Flächen zum „Club der Fantasie“ – einem Ort, an dem Award-Show, Begegnungen, Ausstellung und Clubnacht nahtlos ineinander übergehen.

Kapazität

1.200

Status

ausverkauft

Stimmung

freudig