Case-Eindrücke

Welche Botschaften berühren und bleiben?

Ein Blick in die Ausstellung der nominierten Kampagnen spiegelt wider, welche eigene Strahlkraft Gesundheitskommunikation entwickeln kann. Es sind Arbeiten, die etwas wagen – und von Kunden erzählen, die genau diesen Mut zugelassen haben. Eine Prostatavorsorge‑Arbeit verwandelt die Mittelfalz in eine Pofalte und nutzt genau diesen Bruch, um den Blick dorthin zu lenken, wo Männer sonst wegschauen. Eine Brustkrebs‑Kampagne für eine Second‑Line‑Therapie bei metastasiertem Brustkrebs bricht ihren Claim mitten im Satz ab – so wie Biografien, die nicht zu Ende erzählt werden können. Die Message: Keine Minute verlieren.

Für einen Fachkongress entstand ein Mantel aus Stein, daneben ein Hut aus Stein. Die Lungenfibrose wird hier nicht über Charts erklärt, sondern über Gewicht. Man versteht körperlich, was es heißt, wenn jeder Atemzug bleiern schwer wird. Andere Motive nehmen den Ton in den Blick: Eine Kampagne für Halstabletten richtet sich nicht nur gegen Heiserkeit, sondern gegen den „rauen Ton” in der Gesellschaft. „Unsilence the Violence“ macht Gewalt gegen Frauen sichtbar, die häufig als Alltäglichkeit untergeht. „Invisible Class“ gibt 1,3 Milliarden Reisenden mit Behinderung ein Gesicht – Menschen, für die jede Reise Planung, Kraft und Mut erfordert.

Besonders nahe geht vielen im Saal die Arbeit „Halt geben, wenn das Liebste von uns gerissen wird“ für den Bundesverband Kinderhospiz. Sie wagt sich in eine Zone, für die es keine einfachen Bilder gibt, und bleibt dabei respektvoll und zart. Keine falschen Versprechen, kein emotionaler Druck, sondern das Angebot, das Unfassbare überhaupt ansprechen zu dürfen. Franziska Kopitzsch, Geschäftsführerin des Bundesverbands Kinderhospiz, findet dafür Worte, die unter die Haut gehen: Sie bedankt sich ausdrücklich bei den Kreativen, weil sie sich in dieser Darstellung „wirklich verstanden“ fühlt – nicht instrumentalisiert, nicht auf ein Klischee reduziert, sondern mit der Realität der Familien ernst genommen.

Humor ist ein gutes Stilmittel

Zwischendrin blitzen Kampagnen auf, die mit Humor arbeiten, ohne Respekt zu verlieren. Die „Gönn‑dir“‑Kampagne für Vaginalgesundheit spielt mit Tabus und dreht sie so lange, bis aus Scham ein selbstverständlicher Teil von „untenrum‑Gesundheit“ wird. Ein Wimmelbild zum Ausmalen macht nicht nur Kinder spielerisch darauf aufmerksam, wie wichtig eine akribische Mundhygiene ist. Immer wieder verschränken sich Einfühlsamkeit und Witz, Ernst und Augenzwinkern.

Spannende Arbeiten auch beim Young COMPRIX

Der Nachwuchs bringt seine eigene Temperatur mit. Beim Young COMPRIX, angekündigt von Botschafterin Johanna Zocher, zeigen Teams wie beim „NewDarwinProject“ oder dem tragbaren Aschenbecher „Vitamin Z“, wie selbstverständlich eine jüngere Generation Haltung, Nachhaltigkeit und Alltag in ihre Ideen mischt. „Vitamin Z“ adressiert die weggeworfene Kippe nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem einfachen Gegenstand, der Verantwortung greifbar macht. Das „NewDarwinProject“ übersetzt dystopische Zukunftsvisionen in Bildwelten, die dem „Survival oft he fittest“ einen ganz neuen Spin geben. Man spürt, wie wenig diese Generation an reiner Produktkommunikation interessiert ist – sie sucht nach dem tieferen Sinn.

Unvergoldet und trotzdem beeindruckend

Und dann sind da die Arbeiten, die „nur“ COMPRIX-Finalist sind und trotzdem bleiben. Der MG‑Rucksack, der Last, Unplanbarkeit und permanente Alarmbereitschaft im Alltag mit Myasthenia Gravis in einem Gegenstand verdichtet. Die Kampagne „SchlussStrich“ gibt Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen, eine Sprache und ein visuelles Zuhause. Das Thema „Foodnoise“ übersetzt ein Medikament in kraftvolle Bilder: Zimtschnecken werden zum Haardutt – Gedanken an Essen können wirklich alles andere überlagern. Die Otoplastik aus Titan holt Hörhilfen aus der Ecke des Versteckens und macht sie selbstbewusst zum Schmuckstück. Gesundheitskommunikation kann auch ästhetisch sein.

Die Location

ausstellung

Die Halle Tor 2 bringt den Charakter einer ehemaligen Industriehalle mit: klare Architektur, sichtbare Materialien, urbanes Flair. Für den COMPRIX 2026 wurde sie mit Licht, Projektionen und flexibel bespielbaren Flächen zum „Club der Fantasie“ – einem Ort, an dem Award-Show, Begegnungen, Ausstellung und Clubnacht nahtlos ineinander übergehen.

Kapazität

1.200

Status

ausverkauft

Stimmung

freudig